Rezension: „Das vegane Kochbuch meiner Oma“ von Kirsten Mulach

Das vegane Kochbuch meiner Oma, Kirsten Mulach
Das vegane Kochbuch meiner Oma, Kirsten Mulach

Pünktlich zum Feiertag erreichte es mich noch: „Das vegane Kochbuch meiner Oma“ von Kirsten Mulach, erschienen gerade erst jetzt, am 5.10.15 im Bassermann Verlag.

Was soll ich sagen – ich war begeistert. Schon der Titel hatte mich nachdenken lassen, ob das eventuell ein Kochbuch wäre, dass meiner eigenen Idee von Kochen nahekäme: regional, ohne viele Zusätze, möglichst einfach und simpel. All das ist es, und dazu noch vegan. Obwohl ich, wie bereits gesagt, keine Veganerin bin. Aber da ich selbst im Besitz eines Kochbuchs bin, das meiner eigenen Oma gehörte, weiß ich wieviele ihrer Rezepte, v.a. aus Kriegszeiten, mit sehr wenigen Zutaten auskommen. Viele dieser Rezepte sind vegan, obwohl, wie auch Kristen Mulach sagt, dass „aus der Not heraus“ entstand, und nicht als Essenkonzept.

Die Autorin beginnt mit einer sehr persönlichen Einführung in ihre eigenen veganen Erfahrungen, und zeigt, dass das momentan überwiegende Veganertum, das vor allem hip sein will, oft zu Gewichtszunahme und Gesundheitsproblemen führen kann – nämlich dann wenn man glaubt, einfach nur das Weglassen aller tierischen Bestandteile wäre die Heilslösung für alles. Statt tierischer Bestandteile nimmt man dann aber dutzende von chemischen Zusatzstoffen zu sich, die viele vegane Produkte, v.a. die „wie XYZ“-Produkte zu dem machen was sie sind: Plagiate von Produkten MIT tierischen Inhaltsstoffen. Eine Kritik, die auch ich genauso unterschreiben würde.

Die Entdeckung des Kochbuchs ihrer Oma zeigte ihr, dass diese bereits vor Jahrzehnten vegan gekocht hatte: mit sehr wenigen, frischen, regionalen oder saisonalen Zutaten, ganz ohne Soja-Kram und Zusätze. Daraus entstand ihre Idee, dieses Kochbuch in Teilen zu veröffentlich.

Das Kochbuch gliedert sich in Frühstück, Mittag, Kaffeetrinken und Abendessen, eine Aufteilung, die ich sehr angenehm finde. Sie passt sich dem Tagesrhythmus an, und die (dankenswerterweise kurzen) Anekdoten der Autorin über ihre Oma und ihre Familie lockern das Buch auf. In vielen Us-amerikanischen Kochbüchern dieser Tage ist das Hinzufügen persönlicher Anekdoten geradezu ein Muss, und manchmal artet das aus zu längeren Familiengeschichten, die mich in der Länge nicht gerade umhauen. In diesem Buch sind die Geschichten sehr kurz, nur einige Zeilen, und sehr angenehm! Zudem wird keine Missionierung zum Veganertum betrieben – die Rezepte sollen für sich überzeugen. Und das tun sie auch. Aus den wenigsten Zutaten entstehen hier einfache, leckere Dinge, die relativ leicht nachzukochen sind (auch wenn einige davon nicht gerade „fix“ gehen) und der ganzen Familie schmecken dürfte.

Frau Mulachs Oma lebte auf dem Land und hatte offensichtlich Zugang zu allen zutaten in aller Frische vom eigenen Hof. Die Rezepte sind jedoch so angepasst, dass auch wir Normalsterblichen ohne Garten alle Zutaten im Supermarkt, auf dem Wochenmarkt oder vielleicht bei einem Spaziergang im Park finden könnten. Über süß bis salzig, flüssig bis herzhaft – es ist alles dabei. Rezepte für Tee, Löwenzahnsirup und diverse Kuchen genauso wie Erbsensuppe, Gemüsebrätlinge oder Frühstücksmüslis. Reste-Rezepte wie ein Kartoffel-Nudel-Gröstl ebenso wie wunderbare Comfort-Food-Essen wie Spargelauflauf. Insgesamt ein Buch zum immer wieder Schmökern, mit ganz einfachen Gerichten ohne viel Chichi. Super!

Einziger kleiner Minuspunkt: ich wünsche mir bei Kochbüchern Fotos zu allen Rezepten. Das gibt es hier nicht, und obwohl viele Rezepte bebildert sind, sind es doch nicht alle. Generell ist die Aufmachung aber sehr sehr liebevoll, nicht ZU sehr á la „Landfrauenkochbuch“, aber doch ein bisschen floral.

Im Großen und Ganzen hat dieses Buch meine (zugegebenermaßen hohen) Erwartungen absolut erfüllt und das kommt nicht oft vor… von der Aufmachung bis zu den Texten und den eigentlichen Rezepten: ein absoluter Knaller. Und auch zum Weiterverschenken eine wunderschöne Empfehlung!

Und hier noch, aus gegebenem Anlass: ein Foto des Kochbuchs meiner eigenen Oma….

Omas Kochbuch

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