Sparsam heißt nicht geizig: Minimal konsumieren.

Dieser Blog hat seit Langem eine Kategorie namens „Resteverwertung„. Aber je mehr ich schreibe, desto mehr sehe ich auf deutschen Kochblogs, dass es da vor allem um Genuss, tolle Zutaten und neueste Trends geht. Das ist schön, aber ich will nicht ständig Neues kaufen weil es „eben so sein muss“. Diese Seite soll da anders sein und Tipps anbieten zum Sparen und trotzdem gut essen.

Seit ich vor vielen Jahren mich für alte Rezepte vom Beginn des 20. Jahrhunderts interessierte, weil das Kochbuch von Ur-Ur-Oma eben bei Oma rumstand – seitdem ließ mich das Gefühl nicht mehr los, dass wir heute ganz ganz anders kochen. Wir gehen „mal eben“ einkaufen. Wir kaufen Dinge ein, von denen wir am Ende Reste entsorgen oder sie sogar ganz wegschmeißen, weil wir sie vergessen haben. Die Idee, dass einkaufen und kochen etwas Praktisches sind, wurde abgelöst von der Idee, dass alles ein EVENT sein soll. Einkaufen als Wunschbefriedigung. Immer exotischer, immer ausgefallener, diese Idee hat sich in allen Bevölkerungsteilen verbreitet. Warum eigentlich? In einigen Jahren Leben in Südamerika habe ich erlebt, wie wirklich alles verwertet wird. Wie man aus einem Huhn mehrere Mahlzeiten macht. Wie man auf dem Markt saisonal kauft, weil es das Billigste ist. Und wie man damit eben besser und günstiger hinkommt!

Essiggurken selbst gemacht fixaufdentisch.de
Essiggurken selbst gemacht fixaufdentisch.de

Wichtig ist: es geht nicht darum, geizig zu sein. Es geht nicht darum, möglichst wenig auszugeben. Sondern es geht darum, vernünftig einzukaufen ohne sich dabei alles zu versagen. Weniger oder am besten nichts wegzuwerfen. Reste zu verbrauchen, Vorratshaltung zu betreiben. Wer seinen Lebensstil nur wenig ändert, erreicht große Veränderungen!

Wir sind eine dreiköpfige Familie und leben von einem einzigen Gehalt. Viele Menschen, die uns kennen, verwundert das – dabei ist es nicht schwierig und man kann sogar noch Geld sparen. Und obwohl in Deutschland doch viele Menschen von wenig Geld leben (sei es über Hartz4 oder wegen unterbezahlter Jobs), gibt es sehr wenige Blogs die sich mit dem Thema „Sparsam leben“ beschäftigen. Gibt man auf Englisch „Frugal Living“ ein, erscheinen hunderte privat betriebener Blogs, vor allem aus den USA. Eine Suche mit deutschen Schlagwörtern war dagegen sehr unergiebig. Warum?

Für mich persönlich haben die folgenden Dinge mein Kochen verändert:

  1. Viele meiner Anregungen um konsequent und so sparsam wie möglich zu kochen erhielt ich in den Forenecken des Chefkoch.de , die ich auf jeden Fall weiterempfehlen kann.
  2. Ich lese immer wieder in alten Kochbücher, die ganz konkret Wert darauf legen, günstig und vernünftig zu kochen. Auch wenn ich mein Wochenmenü nicht an Frau Davidis´ Vorschlägen von 1908 ausrichte – sie gibt mir wertvolle Ideen dazu, wo und wie ich einkaufen sollte und was man alles selber machen kann.
  3. Immer wieder lese ich Ideen zum „Sparsamen Kaufen“ auf englischen Seiten oder blättere durch Kochbücher zum Thema „Sparsam kochen“ oder „Resteverwertung“.
  4. Ich überlege mir, was im Haus ist und was ich damit kochen könnte. Erst dann kaufe ich eventuell noch etwas dazu. Bevor ich etwas wegwerfe, mache ich mir Gedanken darüber ob es nicht doch noch irgendwo reinpassen könnte. So entstehen neue Rezepte, die statt teuer neu gekaufter Zutaten eben 3-4 Restzutaten enthalten.
  5. Um mich selber zu disziplinieren gibt es ein Wochenbudget, das möglichst nicht überschritten werden sollte. So weiß ich, wieviel mir zur Verfügung steht und was noch übrig ist.
  6. Regelmäßig alle paar Monate gehe ich durch Kühlschrank, Kühlfach und Vorratsschrank und verkoche alles, was da noch so rumliegt. Seien es Parmesan-Rinden oder eingefrorene Brotwürfel oder noch die letzten China-Nudeln.
  7. Soviel wie möglich mache ich selbst – Fertiggerichte sind überhaupt nicht mehr da. Das ist erstens günstiger und zweitens mit weniger Chemie, Geschmacksverstärkern und anderem verbunden.
  8. Gemüse und Obst kaufe ich möglichst saisonal. Das ist billiger und bereichert den Speiseplan. Kaufe ich dann noch möglichst auf dem Wochenmarkt bei den regionalen Bauern statt beim türkischen Gemüse-Großhändler komme ich mit 10 € über eine ganze  Woche für frisches Obst und Gemüse für drei Personen.
  9. Von Zeit zu Zeit fordere ich mich heraus und mache Dinge wie die „300 € für 4 Wochen -Challenge“ oder „Saisonales Kochen“. Solche eigenen Herausforderungen führen dazu, dass man Einkaufen & Kochen mit anderen Augen sieht und Sparmöglichkeiten erkennt.
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